Geschichte der Neutralsprache auf Deutsch / History of Idiom Neutral in German

Monday, August 02, 2010

Typing up the history of Idiom Neutral in German took much less time than I thought, partially because there is no formatting involved, just 17 pages to type out. Next I might go with the same text in Dutch. Here it is:

Anhang.

Kurzgefasste Geschichte der Internationalen Weltspracheakademie.

Die Internationale Weltspracheakademie hat ihre Entstehung den drei Kongressen zu verdanken, welche von Volapükisten veranstaltet worden sind. Der erste Kongress (Generalversammlung der Weltsprachevereine), zu welchem der Erfinder des Volapük, Pfarrer J. M. Schlever, in dem von ihm selbst redigierten "Weltspracheblatt (Volapükabled)") "alle Freunde, Gönner und Kenner der Weltsprache" eingeladen hatte, fand vom 25-28 August 1884 in Friedrichshafen am Bodensee statt. Zu diesem Kongress hatten sich Volapükisten aus Deutschland, Österreich und dem Elsass eingefunden; die Umgangssprache war die deutsche; Beschlüsse von Bedeutung wurden nicht gefasst, wenigstens nicht veröffentlicht, aber es wurde ein Komitee gewählt, welchem aufgetragen wurde einen zweiten Kongress zu passender Zeit und an passendem Ort vorzubereiten und dieses Komitee erliess Anfang 1887 sowohl durch das Schleyersche Volapükabled als auch durch das in München erscheinende Cogabled eine Einladung an alle Volapükisten der Welt zu einem internationalen Kongress in München vom 6.--9. August 1887.

In diesem Münchener Kongress wurden 1. einige unwesentliche grammatikalische Fragen entschieden; 2. wurden Statuten zu einem allgemeinen internationalen Weltsprachverein ausgearbeitet, welcher aber nicht zu Stande kam und 3. wurde, um die Spracheinheit zu wahren und das Volapük zu vervollkommnen, eine internationale Gesellschaft, unter dem Namen Weltspracheakademie, gegründet, die am 1. Januar 1888 in Wirksamkeit treten sollte. Professor Dr. Aug. Kerckhoffs in Paris, der Sekretär der auserordentlich thätigen "Association française pour la propogation du Volapük" und Verfasser des franzïsischen Volapükwörterbuches, in welchem er einige Vereinfachungen der Sprache eingeführt hatte, -- wurde einstimmig zum Direktor der Akademie und 17 Personen aus 12 verschiedenen Ländern zu kademals d.h. Akademikern oder Mitgliedern derselben gewählt.

In P.9 der Beschlüsse des Kongresses, welche sich auf die Gründung der Akademie beziehen, heisst es, die Akademie solle sich die Statuten selbst schaffen, wobei die von Schleyer vorgeschlagenen Statuten und die anwendbaren Paragraphen der Statuten der "Académie française" der Arbeit zu Grunde gelegt werden sollten; nach Bestätigung derselben durch den cifal (Obervorstand, ein für Schleyer geschaffener Ehrenposten), sollten die Statuten dem Kongress (wohl einem zukünftigen) mitgeteilt werden. In P.8 derselben Beschlüsse war aber vorgesehen, dass ein Kongress der Akademie jedes dritte Jahr zu Anfang August, d.h. zugleich mit dem Kongress des obenerwähnten allgemeinen Weltsprachevereirns stattfinden solle. Für den nächsten Kongress wurde Paris oder Wien in Aussicht genommen.

Professor Kerckhoffs hatte die Wahl zum Direktor unter folgenden 2 Bedingungen angenommen: 1. dass die auf die Akademie bezüglichen Beschlüsse des Münchener Kongresses [er nennt sie irrtümlich Statuten] als provisorische anzusehen seien und auf dem bevorstehenden Volapükistenkongress im Jahre 1889, gelegentlich der grossen Pariser Weltausstellung, einer neuen Prüfung unterzogen werden, 2. dass, ausser den obenerwähnten 17 Personen noch 7 von ihm vorgeschlagene Herren als Akademikar aufgenommen würden. Diese Bedingungen wurden ihm woholn von den bereits gewählten 17 Akademikern als auch von Schleyer zugestanden. Somit hatte der zukünftige Kongress das volle Bestätigungsrecht der Statuten und die Frage über Zeit und Ort des nächsten Kongresses war auch entschieden -- Paris 1889.

Nun begann die Arbeit der Akademie und zwar war Schleyer der erste, welcher der Akademie gewisse Fragen vorlegte; unter anderen diese: Ob alle Stammwörter ohne Ausnahme mit einem Konsonanten anfangen müssten.

Der Direktor der Akademie benutzte zur Korrespondenz mit den Mitgliedern derselben das von ihm redigierte Journal "Le Volapük" und stellte zuerst folgendes Programm für die Arbeiten der Akademie auf: I. Alphabet: a) Laute, b) Buchstaben; II. Wortbildung: a) Stammwörter, b) abgeleitete Wörter, c) zusammengesetzte Wörter; III. Wortstellung; IV. Grammatik: a) Deklination, b) Konjugation, c) Gebrauch und Bedeutung der Präpositionen, Adverbien etc.; V. Prüfunf falscher Wörter des Wörterbuches; VI. Aufstellung neuer Wörter.

Nachdem dieses Programm von der Akademie gebilligt worden war, ging er zur Arbeit selbst über und begann gleich mit der Frage, ob man die Laute ä ö ü in die Sprache aufnehmen solle oder nicht und, im Falle der Bejahung, ob man sie durch die Schreibung ä ö ü oder anders wiederzugeben habe.

Aus dieser Fragestellung sowohl Schleyers als des Direktors ersieht man, dass die Akademie nicht nur einige unbedeutende Fragen entscheiden sollte, wie sie bisher von Volapükisten aufgeworfen worden waren, sondern dass radikale Änderungen der Sprache bevorstanden und dass der Akademie eine grosse ernste Arbeit zugemutet war: denn hätte auf die obenangeführten zwei Fragen die Majorität mit einem Nein geantwortet, so wären sofort alle Wörterbücher und Lehrbücher des Volapük untauglich geworden und für die Hälfte der Volapükwörter und für viele grammatikalische Formen hätte die Akademie neue Wörter und Formen schaffen müssen, so dass eine ganz neue Sprache entstanden wäre, für welche selbst der Name Volapük nicht mehr gepasst hätte. Beiläufig sei bemerkt, dass die Antworten so ausfielen, dass zunächst keine radikalen Änderungen notwendig wurden.

Darauf legte der Direktor, seinem Programm gemäss, der Akademie weitere Fragen vor und, nachdem die Antworten der einzelnen Akademiker eingelaufen waren, stellte er sie zusammen und die Meinung der Majorität bildete einen Beschluss der Akademie. Solche Beschlüsse wurden im Journal "Le Volapük" veröffentlicht. Sowohl bei der Fragestellung als auch bei der Veröffentlichung der Beschlüsse bediente sich der Direktor des Volapük.

Im Anfang hatte die Akademie sehr fleissig gearbeitet, so dass zu Beginn des Jahres 1889 schon beschlossen worden war: welche Laute in der Sprache zulässig wären, durch welche Buchstaben sie darzustellen seien, die Betonung der Wörter und einige Principien für die Wortbildung; die zwei hauptsächlichsten Principien für die Wahl der Stammwörter lauteten folgendermassen: 1. Es ist erlaubt beliebige Stämme zu wählen, aber wenn möglich sollen kurze Stämme der Natursprachen bevorzugt werden; 2. Es ist nicht erforderlich die ursprüngliche Form der Stämme beizubehalten, aber diejenige Form, welche der ursprünglichen am ähnlichsten ist, ist die beste. -- Ferner war beschlossen worden, dass die Wortstellung im Satz keine freie sein sollte, sondern nach bestimmten einfachen Regeln zu geschehen habe und was die Deklination betrifft, dass beide Deklinationsarten (wenn ich mich so ausdrücken darf), sowohl mittels der Endungen '', -e, -i''ls auch mit Hilfe von Präpositionen, also ''de'' für den Genitiv und ''al'' für den Dativ zulässig seien. -- Es fehlten aber noch Beschlüsse über die Konjugation und die Form der Pronomina; auch war die Akademie noch nicht an die Prüfung falscher Wörter und die Aufstellung neuer Wörter herangetreten. Das Programm war also noch nicht durchgearbeitet und der Direktor konnte deshalb seine Absicht dem Kongress, im August 1889, ein fertiges Grammatikprojekt dur endgültigen Bestätigung vorzulegen, nicht ausführen; er veröffentlichte daher kurz vor dem Kongress ein Grammatikprojekt, in welchem diese wichtigen Punkte (Konjugationsformen und Pronomina) nicht nach Beschlüssen der Akademie verfasst waren, sondern einige Änderungsvorschläge des Direktors enthielten, welche noch ihrer Bestätigung warteten. Da jedoch diese Änderungsvorschläge nicht allgemeinen Beifall der Akademie fanden, so konnte von einer Bestätigung des vorgeschlagenen Grammatikprojektes durch den Kongress nicht die Rede sein; selbst die besprechung grammatikalischer Fragen auf dem Kongress erwiess sich als unmöglich, denn sie h'ätte zu sehr zeitraubenden Debatten, aber kaum zu einem praktischen Resultat geführt; daher beschränkte sich der Kongress darauf die Akademie mit der Aufstellung einer einfachen Grammatik zu betrauen.

Der Kongress fand in Paris vom 19.--21. August 1889 statt unter Beteiligung von Volapükisten aus 13 verschiedenen Ländern: Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien, England, Spanien, Russland, Dänemark, Österreich-Ungarn, Griechenland, Vereinigte Staaten von Nord-Amerika, Türkei und China. Die Kongress-sprache war Volapük. -- Die Hauptleistung des Kongresses bestand in der detaillierten Durchsicht aller 21 Paragraphen der Statuten der Internationalen Weltspracheakademie, welche das vom Professor Kerckhoffs ernannte vorbereitende Komitee ausgearbeitet hatte, und in der Bestätigung derselben (nach einigen Änderungen) in der Form, wie sie hier (siehe weiter unter) in deutscher Übersetzung abgedruckt sind und noch heute gelten, in deren P.1 es ausdrücklich heisst, dass die Aufgabe der Akademie darin bestehe, die Grammatik und das Wörterbuch des Erfinders zu vervollständigen und zu verbessern. -- Dem letzten Paragraphen gemäss können diese Statuten nur von einem internationalen Kongress geändert werden. In Bezug auf Weltsprachekongresse lautet der Beschluss vom 20. August: "Die Akademie hat zu beschliessen, wo und wann der nächste Kongress stattfinden solle; die Akademie soll das vorbereitende Komitee für den Kongress bilden.

Schleyer, welcher dem Kongress nicht beigewohnt hatte, erklärte, dass er alle Paragraphen der Statuten bestätige mit Ausnahme derjenigen, welche seine Rechte in der Akademie fixieren, und dass er sich in allen Fällen ein Veto vorbehalte. Da Schleyer vom Kongress kein Bestätigungsrecht zugestanden war, so blieb diese Forderung unberücksichtigt.

So war denn die Internationale Weltspracheakademie zu einer lebensfähigen selbständigen Institution geworden, welcher das Recht gegeben und die Pflicht auferlegt war: 1. die Grammatik und das Wörterbuch des Erfinders zu vervollständigen und 2. in unbeschränktem Masse Veränderungen in dieselben einzuführen, sobald solche von der Akademie für Verbesserungen angesehen werden.

Obgleich daher alle Aussicht vorhanden war, dass die mit solchem Erfolge begonnene Arbeit der Akademie dem Programm gemäss zu Ende geführt werden würde, muss leider eine Verminderung der Energfie konstatiert werden, mit der die Arbeit nach dem Kongress fortgesetzt wurde und die sogar zu einem zeitweiligen Stillstand führte. Das lag zunächst darin, dass der Direktor die Art und Weise der Fragestellung veränderte, indem er 1. der Akademie nicht mehr einzelne Stücke der Grammatik zur Abstimmung vorlegte, sondern das vorständige Projekt einer ganzen Grammatik auf einmal und zwar mit weiteren Änderungsvorschlagen und 2. den Akademikern auftrug mit den Weltsprachevereinen derjenigen Länder, die sie vertreten, über Annahme oder Nichtannahme dieser Grammatik übereinzukommen, -- eine Art der Abhstimmung, die in den Statuten nicht vorgesehen war. Auf diese Weise war es nicht möglich eine Einigung zu erzielen und gingen schon vordem die Ansichten der verschiedenen Volapükvereine und Volapükjournale und ihrer Korrespondenten auseinander, so war hierdurch der Kampf der Parteien noch vergrössert und in kurzer Zeit waren anstatt eines Grammatikprojektes eine Menge von Projekten vorhanden, denn viele von den Akademikern hatten dem Direktor ihre Abstimmung in Form von selbständigen Grammatikprojekten vorgestellt und einige von ihnen hatten auch ihre Projekte veröffentlicht. -- Es lässt sich nicht laugnen, dass viele von diesen Grammatikprojekten gute Vorschläge enthielten, welche verdienten von der Akademie in Betracht gezogen zu werden; daher war es der allgemeine Wunsch, dass der Direktor die verschiedenen Vorschläge im Journal der Akademie, das er inzwischen unter dem Namen "Calabled Kadema" (Amtsblatt der Akademie) gegründet hatte [von dem aber nur zwei Nummern erschienen sind], der Akademie zur Abstimmung vorlege. Der Direktor hatte so zu sagen das Wort und die ganze Volapükwelt war gespannt, was nun von Paris her kommen würde. Professor Kerckhoffs jedoch liess monatelang nichts von sich hören. -- Sowohl dieser Umstand als auch die Uneinigkeit der Volapükisten hatten zur Folge, dass das Interesse für Volapük ziemlich plötzlich aufhörte und die eifrige Propaganda von dieser Zeit an stetig abnahm.

Um die unterbrochene Arbeit der Akademie wieder in Fluss zu bringen, wurde im November 1890, auf Veranlassung des St. Petersburger Volapükvereins (Zilak volapüköl), an den Direktor ein von 23 Akademikern und 19 ausserhalb der Akademie stehenden Volapükisten unterschriebenes Gesuch gesandt mit der Bitte, er möge der Akademie die 9 hauptsächlichsten Grammatikprojekte, (der Akademiker Day and Holden, Guigues, Heyligers, Kerckhoffs, Knuth, Krüger, Lederer und von Rylski, Plum, Rosenberger) vorlegen und zwar nach einzelnen Paragraphen gruppiert, von den wichtigsten angefangen, damit die Akademie durch Majoritätsbeschluss für jeden einzelnen Fall von den vorgeschlagenen Formen die gewünschte auswählen könne. Diese Ditte wurde vom Direktor nicht erfüllt, trotzdem dass laut P.17 der Statuten jeder Vorschlag vor die Akademie gebracht werden muss, der von mindestens sechs Mitgliedern der Akademie unterzeichnet ist, -- sondern anstatt dessen erschien in der zweiten Nummer des akademischen Blattes, vom Dezember 1890, noch einmal ein vollständiges Projekt einer ganzen Grammatik mit sehr ungenauen Angaben über die von den Akademikern gemachten Vorschläge und durch ein Rundschreiben vom 20. Juli 1891 teilte Prof. Kerckhoffs mit, dass er sich entschlossen habe sein Amt niederzulegen.

Darauf übertrug die Akademie einem provisorischen Komitee, bestehend aus den drei Mitgliedern der Akademie Champ-Rigot, Guigues und Heyligers in Paris, die Neuwahl des Direktors zu veranlassen.

Dieses Komitee hat über seine Thätigkeit in seinen sechs Zirkularen an die Mitglieder der Akademie, vom 2. November 1891 bis zum 14. Dezember 1892, berichtet. Das Komitee gab eine Kassenabrechnung, liess eine in Volapük verfasste sogenannte Normalgrammatik (Glamat nomik) drucken, in welcher alle Regeln in der Form aufgenommen sind, wie sie von der Akademie beschlossen worden waren und bewerkstelligte die Wahl mehrerer neuer Mitglieder der Akademie und zuletzt die Wahl des Direktors durch Abstimmung der Akademiker, wobei mir die Ehre zu teil wurde auf fünf Jahre für dieses Amt gewählt zu werden. Da einer von den Mitgliedern des Komitees, H. Heyligers, durch gein Zirkular an die Akademiker vom 15. Januar 1893 mitteilte, dass er von der Wahl eines neuen Direktors nichts wisse, da er seit mindestens drei Monaten keiner Komiteesitzungf beigewohnt habe, wurde von der Akademie beschlossen, die Thätigkeit des Komitees, sofern sie die Direktorwahl betrifft, einer Kontrolle zu unterwerfen, welche dem Volapükverein Leitmeritz in Böhmen übertragen wurde. Nach ausgeführter Kontrolle teilte der Verein Leitmeritz durch ein Zirkular an die Akademiker vom 16. Mai 1893 mit, dass ich wirklich der neugewählte Direktor sei.

Inzwivchen hatte die Akademie beinahe vier Jahre nicht gearbeitet, das Interesse für Volapük hatte sehr abgenommen, Schleyer wollte von grösseren Änderungen nichts wissen, die Anzahl der Mitglieder der Akademie war auf 15, der Volapükjournale auf drei gesunken, die meisten Volapükvereine hatten ihre Thätigkeit eingestellt und die wenigen übriggebliebenen Weltsprachler standen einander feindlich gegenüber: die einen hingen an Schleyer und seinem Volapük, die anderen hielten das Volapük mit den Kerckhoffsschen Änderungen für das Ideal einer internationalen Sprache, der Rest zurfiel wieder in eine Menge kleiner Gruppen, von denen jede eins der vielen zu jener Zeit aufgetauchten Sprachsysteme vefocht. -- Trotz dieser für die Arbeiten der Akademie ungünstigen Umstände wagte ich es, überzeugt von der Anwendbarkeit einer künstlichen Sprache im internationalen Verkehr und vertrauend auf die Ausführbarkeit der Aufgabe der Akademie und auf de Brauchbarkeit der in Paris ausgearbeiteten Statuten berselben, -- die unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen.

Ich liess zunächst die Grammatik ganz beiseite und begann mit dem wichtigsten Teil der Arbeit, mit der Prüfung fals-cher und der Aufstellung neuer Wörter. -- Zuerst legte ich der Akademie eine Liste solcher Volapükwörter zur Prüfunf vor, von denen ich voraussetzte, dass sie keiner Änderung bedürfen, z.B. ''delfin, legion, metal'' u.s.w., weil sie in den meisten europäischen Sprachen vorkommen, wobei ich bei jedem Wort die Notiz gemacht hatte, in welchen Sprachen namentlich das Wort zu finden sei (es wurden immer folgende sieben Sprachen berücksichtigt: englisch, franzOsisch, deutsch, spanisch, italienisch, russisch und lateinisch). In der zweiten Liste schlug ich der Akademie vor anstatt der entsprechenden Volapükwörter solche Wörter anzunehmen, welche ihrer Form nach vollkommen in das Volapüksystem passten, d.h. konsonantischen Anlaut und Auslaut hatten, welche also unbeschadet der Volapükgrammatik in das Wörterbuch aufgenommen werden konnten, aber dem obenerwähnten Beschluss der Akademie, dass die ursprüngliche Form der Wörter nach Möglichkeit beibehalten werden solle, mehr entsprechen als die betreffenden Volapükwörter, z.B. ''fabrik'', Fabrik anstatt ''fablüd; balsam'', Balsam anstatt ''bain; trup'' Trupp, Schar anstatt ''tlup'' u.s.w. Dabei stiess ich auf sehr wenig Widerstand: die meisten der von mir vorgeschlagenen Wörter wurden einstimmig angenommen und nur gegen wenige Wörter wurde von einzelnenAkademikern protestiert, d.h. es wurden Gegenvorschläge gemacht; z.B. hatte ich ''frat'', Bruder anstatt ''blod'' vorgeschlagen, wogegen der Akademiker Plum in Kopenhagen ''fratr'' für noch geeigneter hielt. In solch einem Falle brachte ich die Frage noch einmal vor die Akademie, d.h. ich liess die Akademiker zwischen den beiden vorgeschlagenen Wörten wählen, und dasjenige Wort, für welches die meisten Stimmen abgegeben worden waren, galt nach P.13 der Statuten als angenommen.

Für den Verkehr mit den Mitgliedern der Akademie bediente ich mich nicht mehr einer Zeitschrift, was sich als unzweckmässig erwiesen hatte, da jede Nummer einer solchen eine bestimmte Anzahl von Seiten Text bringen und zi bestimmter Zeit erscheinen muss, -- sondern ich liess, was ich den Akademikern zu sagen hatte, in Form zwangloser Zirkulare von 1--12 Seiten, wann sie gerade nötig waren, natürlich in Volapük, drucken und schickte sie jedem Akademiker in zwei Exemplaren mit der Bitte zu, auf einem von den zwei Exemplaren über die darin gestellten Fragen abzustimmen und das Exemplar unterschrieben mir zurückzuschicken, und zwar so bald als möglich; dabei hatte mir die Akademie das Recht zugestanden, diejenigen Abstimmungen, welche später als 65 Tage nach Absendung der betreffenden Frage einlaufen sollten, unberücksichtigt zu lassen. Dieser lange Termin war deshalb festgesetzt worden, weil dem in Brasilien lebenden Akademiker die Möglichkeit geboten werden musste sich an den Arbeiten zu beteiligen, seine Abstimmungen aber nicht früher in St. Petersburg eintreffen konnten. -- Die Fragen waren alle so gestellt, dass die Akademiker immer nur mit ja oder nein antwonten mussten, so dass ich die Stimmen pro und contra abzählen konnte, handelte es sich aber um neue Vorschläge, z.B. von Wörtern oder grammatikalischen Regeln, so hatte ich mir ausgebeten, dass die Akademiker niemals mit einem einfachen Nein abstimmen sollten, sondern, wenn jemand mit dem Vorschlage nicht einverstanden wäre, sollte er einen besseren Vorschlag machen; wenn letzterer Fall eintrat, wurden beide Vorschläge der Akademie zur Auswahl vorgestellt wie es am obenangeführten Beispiel von ''frat'' und ''fratr'' schon gezeigt wurde. Auf diese Weise traten einerseits viele wirklich gute und praktische Vorschläge zu Tage, auf die es bei einer solchen Arbeit ganz besonders ankommt, und jeder Vorschlag jedes Akademikers wurde der Akademie zur Abstimmung vorgelegt, -- andererseits war jedem Mitgliede der Akademie die Gelegenheit geboten eigene Vorschläge zu machen und sich bei der Auswahl eines bestimmten Vorschlages unter mehreren zu beteiligen. Daher herrschte auch Zufriedenheit unter den Mitgliedern der Akademie, deren Anzahl durch Beitritt sehr tüchtiger Kräfte wieder zu wachsen begann.

Wie schon oben erwähnt, waren zu jener Zeit ausser Volapük mehrere andere Systeme künstlicher Sprachen erschienen. Ich muss hier die hauptsächlichsten derselben nennen, da sie einen wesentlichen Einfluss auf die Arbeiten der Akademie gehabt haben.

1. La lingvo internacia von Dr. Esperanto (Zamenhof) in Warschau.
2. Kosmos von Eugen A. Lauda in Berlin.
3. Spelin von Professor J., Bauer in Agram.
4. Myrana von J. Stempfl in Oberreute in Bayern.
5. Lingua internazional von J. Lott in Wien.
6. Universala von Oberpräzeptor Dr. Eugen Heintzeler in Stuttgarrt.
7. Novilatiin von Dr. E. Beermann, Oberlehrer in Nordhausen a.H.

Ausser diesen künstlichen Sprachen beeinflussten die Akademie auch die Arbeiten folgender Personen: Dr. T.C. Winkler in Haarlem, John Runström in Stockholm, Redakteur Karl Lentze in Leipzig, Edgar von Wahl in Reval und Anton von Grabovski in Ivanovo-Vosnesensk, ist doch die von der Akademie angenommene Betonung der Wörter, auf dem Vokal vor dem letzten Konsonanten, -- ein Vorschlag Bauers (Spelin) und Wahls und die allgemeine Pluralendung, ''-i'', ein Vorschlag Zamenhofs und Grabovskis. War die tüchtigste Arbeit in praktischer Ausführung die Sprache des Dr. Esperanto, so hat andererseits J. Stempfl in theoretischer Beziehung die besten Hinweise dafür gegeben wie eine internationale Sprache beschaffen sein müsse. Darin waren alle obenangeführten Verfasser einig (vielleicht mit Ausnahme von Prof. Bauer), dass die Stämme der Wörter aus den lebenden Sprachen oder aus dem Latein genommen werden müssten und zwar mit so wenig Änderungen als möglich.

Von grösster Bedeutung für die Arbeiten der Akademie war das 1891 erschienene Werk von Dr. Alberto Liptay "Eine Gemeinsprache der Kulturvölker", in welchem der Verfasser eine Kritik der bisherigen Weltspracheprojekte gab und gewisse Principien für den Aufbau des Wörterbuches einer internationalen Sprache aufstellte, ohne selbst an die Ausführung desselben zu schreiten. Er wies hauptsächlich darauf hin, dass es schon eine grosse Menge sogenannter Weltwörter gebe, z.B. ''animal'', welches ziemlich allen Nationen und bestimmt allen Kulturvölkern verständlich sei, auch jenen sogar, die es nicht gleich den Engländern, Franzosen, Italienern, Spaniern, Portugiesen u.s.w. als Vokabel ihrer eigenen Muttersprache gebrauchen; so spricht der Deutsche von Animalismus, Animalien, animalisieren und von animalischen Eigenschaften. Weitere Beispiele solcher Weltwörter wären: ''artificial, universal, amor, color, baron, balkon, amen, volumen, merkantil, vulcan, fabricant, miserable, natur, divin, adyektiv, amerik, observatorium, autorität, distanz, celibat, evangelist, adoptieren, tabak, cigar, kafé, té, sport, club, astronom, logaritm'' u.s.w. -- im ganzen über 8000 Wörter. -- All diesen Wörtern dürfe man die Aufnahme in das wörterbuch einer Sprache, die für den internationalen Gebrauch bestimmt ist, nicht verweigern, ebensowenig wie den Elementen, aus denen diese Wörter zusammengesetzt sind, -- man müsse sie nur auffinden und sammeln -- ja Liptay stellt die Behauptung auf, eine Weltsprache dürfe nicht erfunden, sondern müsse entdeckt werden. Überzeugt von der Unmöglichkeit der Erschaffung einer Weltsprache, schlägt Liptay vor einer Gemeinsprache auf dem Wege der Synthese oder der Kompilation ihrer Elemente zu erzielen, solcher Elemente, welche bereits im Bereiche jedes Menschengehirnes sind und bloss darauf warten in etwas Greifbares oder Sichtbares kondensiert und in homogene Form gebracht zu werden. -- Auch über die Schreibweise der Weltwörter finden wir in demselben Werke die beachtungswertesten hinweise; was Liptay über den internationalen Wert der einzelnen Buchstaben in fast erschöpfender Weise sagt, kann wohl nur in wenigen Stücken widerlegt werden.

Nachdem die Arbeit Dr. Liptays dem Professor Max Müller in Oxford vorgelegt worden war, äusserte sich dieser dem Verfasser gegenüber in folgender Weise: "Ihre Idee Radicale zu wählen, die den Gebildeten fast allgemein verständlich sind, ist ausgezeichnet und die grammatikalische Artikulation, welche Sie vorschlagen, sehr gut ausführbar, trotzdem hier und da möglicherweise etwas Einfacheres und Praktischeres vorgeschlagen werden könnte. Was Sie jetzt zu thun haben, ist, ein vollständiges Wörterbuch auszuarbeiten". -- Es scheint, dass Dr. Liptay dem Rat Max Müllers nicht gefolgt ist, denn es ist bis jetzt kein Wörterbuch von ihm erschienen.

Die Weltspracheakademie aber folgte gern diesen praktischen Hinweisen. Nachdem ich die Akademie auf die oben angeführten weltsprachlichen Arbeiten im allgemeinen und diejenige Liptays im besonderen aufmerksam gemacht und die Akademie aufgefordert hatte diese bei ihren Abstimmungen in Betracht zu ziehen, damit die Akademie nicht zurückbleibe und gegen den Strom schwimme, -- wurden bald die hauptsächlichsten orthographischen Principien festgestellt und dann wurde zum Beschluss erhoben, dass für jeden Stamm die internationale Form gesucht werden müsse, d.h. dass derjenige Stamm der geeignetste sei, welcher in den meisten europäischen Sprachen existiere. In Erfüllung dieses Beschlusses berücksichtigte ich bei der Auswahl der vorzuschlagenden Wörter, wie oben gesagt, die sieben europäischen Hauptsprachen und nachdem ich mich überzeugt hatte, ob von den obengenannten Weltsprachlern Esperanto, Lott, Heintzeler und Beermann für die betreffenden Begriffe nichnt noch geeignetere Formen gefunden seien, stellte ich meine Vorschläge der Akademie zur Abstimmung vor.

Da, im Gegensatz zu früher, nicht die Grammatik, sondern das Wörterbuch für wichtiger gehalten wurde und da es sehr viele internationale Stämme mit vokalischen Anlaut giebt, so musste ich auch solche Stämme in Vorschlag bringen, obgleich die Formen der Volapükgrammatik für solche Stämme sehr ungeeignet sind; andererseits musste ich neue grammatikalische Formen suchen, welche für diese Stämme passten. -- Nach vielem Suchen und Versuchen liessen sich auch einfache Formen finden, z.B. die Konjugationssuffixe ''-av'' für die Vergangenheit und ''-ero'' für die Zukunft, welche, natürlichen Sprachen entnommen, dem gebildeten Europäer viel bekannter sind als die künstlichen volapükischen, weshalb sie auch, mit wenigen Änderungen, von der Akademie angenommen wurden. Auch die meisten der frei erfundenen volapükischen Vorsilben und Nachsilben liessen sich durch natürlichere und viele sogar durch internationale Formen ersetzen. Die meisten der vorgeschlagenen Wörter wurden von der Akademie angenommen und wenn Gegenvorschläge gemacht wurden, verfuhr ich wie ich es oben gezeigt habe.

Als die fünf Jahre meines Direktorats um waren, was das Programm der Arbeiten in den Hauptsachen erledigt; es waren von der Akademie angenommen:

1. Regeln für Orthographie und Aussprache,
2. die notwendigsten ca. 3000 Stammwörter,
3. die notwendigsten wörterbildenden Vorsilben (Präfixe) und Nachsilben (Suffixe),
4. eine grosse Zahl abgeleiteter und zusammengesetzter Wörter,
5. sämtliche Pronomina,
6. die gebräuchlichsten Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen,
7. sämtliche grammatikalische Formen,
8. Regeln für die Wortstellung im Satz.

Die Gesamtheit der damals vorliegenden Beschlüsse der Akademie verdiente bereits eine künstliche Sprache genannt zu werden. Diese akademische Sprache unterscheidet sich wesentlich von allen übrigen Kunstsprachen dadurch, dass sie nicht das Werk eines einzelnen ist, sondern das Resultat einer jahrelangen mühevollen Arbeit einer ganzen internationalen Gesellschaft. Sie kann einerseits ebenso leicht wie das Volapük gesprochen und geschrieben werden, da die volapükischen Principien der nahezu phonetischen Schreibung, der Ausnahmlosigkeit der gegebenen Regeln und der Einfachheit und Leichtigkeit aus den gegebenen Stammwörtern abgeleitete Wörter zu bilden, -- beibehalten worden waren, -- andererseits aber wird diese Sprache sowohl beim Hören als beim Lesen viel leichter verstanden als Volapük, weil für sämtliche Elemente, aus denen die Wörter zusammengesetzt werden, solche Formen gewählt wurden, welche der Mehrzahl der gebildeten Europäer bereits bekannt sind. -- Einige Mitglieder der Akademie benutzten schon die neue Sprache anstatt des Volapük zur Korrespondenz mit ihren Kollegen, da sie fanden, dass es viel leichter sei in der akademischen Sprache zu schreiben, als in Volapük, obgleich die Beschlüsse der Akademie noch nicht in eine zum nachschlagen bequeme Form gebracht waren: weder gab es eine Grammatik, in welcher die angenommenen Formen gruppiert, noch ein Wörterbuch, wo die angenommenen Wörter in alphabetischer Reihenfolge zusammengestellt waren.

Unter den zum Direktor der Akademie vorgeschlagenen Personen (ich hatte von einer Wiederwahl Abstand genommen) wurde vom 16. Mai 1898 auf fünf Jahre das Mitglied derselben M.A.F. Holmes, Geistlicher in Macedon bei Rochester im Staate New York in Amerika einstimmig gewählt.

Die Zirkulare des neuen Direktors an die Akademiker sind schon nicht mehr in Volapük verfasst, sondern in der neuen akademischen Sprache, welcher auch bald von der Akademie der Name Neutralsprache (Idiom neutral) gegeben wurde.

Die Arbeit der Akademie setzte der neue Direktor in demselben Geiste fort: die Sprache wurde weiter ausgebaut sowohl durch Änderungen einiger früherer Bestimmungen, welche sich als ungeeignet oder als inkonsequent erwiesen hatten, als auch durch Annahme einer grossen Anzahl neuer Wortstämme und neuer abgeleiteter und zusammengesetzter Wörter, zum Teil mit Benutzung einiger neuer Vor- and Nachsilben.

Nun ist die Sprache soweit ausgebaut, dass sie praktischen Nutzen bringen kann und darum ist es an der Zeit, die bisherigen Beschlüsse der Akademie in Form von Grammatik und Wörterbuch zu veröffentlichen.

Die Arbeit der Akademie ist aber nicht beendet und wird überheupt nie aufhören, da die Neutralsprache, wie jede lebende Sprachde, einem beständigen Wachstum unterworfen sein wird, weshalb die Akademie beständig das Wörterbuch wird vervollständigen müssen.

Zur Herausgabe des deutschen Wörterbuches der Neutralsprache hat die Akademie mir die Konzession erteilt; zur Herausgabe des englischen -- dem Herrn Direktor Holmes.

Sollte das vorliegende Wörterbuch durch praktische Anwendung im Leben zur Erleichterung des internationalen Verkehrs beitragen, so ist seine Aufgabe erfüllt. Ich halte es für meine angenehme Pflicht, bei dieser Gelegenheit dem Herrn Direktor Rev. M.A.F. Holmes für alle freundliche Hilfeleistung, die er mir bei der Zusammenstellung dieses Buches in entgegenkommendster Weise hat zu teil werden lassen, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen.

St. Petersburg, im April 1902.

W. Rosenberger.

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